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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Führen und Führen lassen


Oylalia
28.02.2009, 14:49
Ich nehme mal an wir alle hier im Forum sind keine kleinen Häschen, die Führung BRAUCHEN und ansonsten hilflos und verschüchtert und ohne wirkliches Leben sind und uns nichtmal trauen, eine Pizza zu bestellen abgesehen davon, dass wir uns nicht entscheiden könnten, welche ;)

Alle von uns haben ihrem Alter entsprechende Lebenserfahrung und zum Teil auch darüber hinaus, waren z.B. schonmal alleine im Ausland (und sei es nur Schüleraustausch oder erster Urlaub ohne Eltern), leiten Sport- oder Hobbygruppen, wohnen z.T. nicht mehr zu Hause oder übernehmen sonst irgendwie Verantwortung für sich und/oder andere.
Wenn man in irgendwelchen Bereichen Kompetenzen hat, fällt es manchmal schwer, dort die Zügel aus der Hand zu geben (Beispiel ist z.B. auch der Thread über Gruppenarbeit: Mit anderen einigen, auch wenn man die fremden Ideen für Schwachsinn und die eigene für die beste hält, bewusst nicht die Führung übernehmen, weil man sonst am Ende die ganze Arbeit alleine machen muss weil die anderen nur Mist bauen). Selbst dann, wenn man es letztendlich genießt, sich entspannt zurücklehnen zu können, wenn man weiß, dass der andere seinen Job gut macht.
Deswegen die erste Frage:
Fällt es euch allgemein leicht, die Führung abzugeben?

In einer Beziehung ist es im Idealfall so, dass die Führung relativ gleich verteilt ist. Jeder hat Stärken und Schwächen, es gibt immer Bereiche in denen der eine besser Führen kann. Es gibt auch Bereiche, in denen beide gleich "stark" sind. Und es gibt Phasen, in der der eine aus irgendwelchen Gründen mal nicht führen kann oder will.
Diesen Idealfall habe ich aber bisher nur selten erlebt. Oft war es beim Kennenlernen so, hat sich aber im Laufe der Zeit durch die Entwicklung der Beteiligten verändert. Ich habe meist die Fähigkeiten meiner Partner erlernt und zum Teil dann sogar "besser" umsetzen können und zusätzlich noch weitere Lebenserfahungen gesammelt, während meine Partner (im Alter von 20 bis 25) sich in der Zeit deutlich langsamer entwickelt haben. Ich bin also meinen Partnern mehrmals "über den Kopf gewachsen" und mir fiel es zunehmend schwerer, nicht die Führung an mich zu reißen, weil ich das Gefühl hatte etwas besser / effektiver / effizienter zu machen.
Kennt ihr das auch?

In den letzten Jahren habe ich einige Männer zwischen Anfang 20 und Anfang 30 kennen gelernt und habe dabei folgendes festgestellt: Erstaunlich viele hatten keine konkreten Pläne / Ziele, sondern haben sich einfach in ihrem Leben treiben lassen. Sie wollten viel und taten wenig dafür. Und es gab oft überprortional viele Dinge, die ich wusste oder konnte, sie aber nicht. Und das, obwohl ich damals noch zu Hause wohnte, während sie beispielsweise schon 3 Jahre alleine wohnten, ich noch Schülerin war und sie schon seit ner Weile arbeiteten oder studierten. Es waren zwar alles in allem Kleinigkeiten, summierte sich aber meist auf. Entsprechend schnell sank mein Interesse dann.
Oder aber sie lebten von ihrer ganzen Art und ihren Einstellungen und Interessen "in einer anderen Welt" als ich. In beiden Fällen fiel es mir dann um einiges schwerer, mich führen zu lassen. Das heißt wenn es zu näherem Kontakt kam habe ich mich am Anfang gerne führen lassen, je weiter ich mich entwickelt habe, desto mehr hatte ich aber das Bedürfnis, die Führung an mich zu reißen. Einmal ging es so weit, dass ich fast den Respekt vor einem Mann verloren hätte, zu dem ich anfangs sogar bewundernd aufgeschaut habe, weil ich mich am Ende fragte, wie er überhaupt in seinem Leben zurecht kommt.
Ich kann die meisten Männer in Bezug darauf in 4 Gruppen einteilen:
Gruppe 1 passt allein vom Weltbild schon nicht zu mir, es ist zwar interessant sich auszutauschen etc. aber bei etwas Festerem würde man sich vermutlich irgendwann zerfleischen :D
Gruppe 2 passt zwar insgesamt zu mir, kann aber in Bezug auf Erfahrungen, Einstellungen und Leben von vornherein nicht mit mir "mithalten" (wobei das wenige sind, die meisten fallen dann eher noch in Gruppe 1)
Gruppe 3 ist auf einer Ebene mit mir oder ein Stück weit "höher". Im Laufe einer Beziehung habe ich sie mit der Zeit dann aber "eingeholt", in einem Fall sogar deutlich "überholt".
Gruppe 4 ist weit über mir und (vermutlich deshalb?) nicht interessant für mich. Die, die ich vielleicht doch etwas näher kennen gelernt habe, haben ihren "höheren Status" so deutlich heraushängen lassen, dass ich mich an ihrer Seite nicht wohl gefühlt habe.
Habt ihr solche Erfahrungen auch gemacht? Wie geht ihr damit um? Ist euer "Führungsabgabewille" auch schoneinmal im Laufe einer Beziehung gesunken?

Kann man etwas dagegen tun, bevor die Attraction sinkt, z.B. den Partner dazu ermutigen, sich weiterzuentwickeln, neue Hobbys auszuprobieren oder sonstwas?

Und an die ältern Cats: Legt sich das mit zunehmenden Alter? ;) Klar entwickelt man sich im Leben IMMER weiter, insbesondere wenn man sich neuen Herausforderungen stellt. Aber gerade in der Zeit vom Schulabschluss bis zum ersten festen Job tut sich ja sehr viel (Auslandsjahr, freies soziales Jahr, Praktika, Ausbildung, Studium, erste eigene Wohnung, neue Stadt, neues Land, ...).

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